Kantenschärfe

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Zeichne was Du siehst!

MonetMonetDer französische Maler Claude Monet (1840-1926), Mitbegründer des französischen Impressionismus litt im Alter an grauem Star. Nach 1907 verschlechterte sich sein Augenlicht so stark, daß er seine Umwelt nur noch verschwommen sah. Trotz körperlicher Gebrechen arbeitete Monet bis zu seinem Tode. In seinem Garten in Giverny zeichnete er die Wasserlilien unter seiner geliebten Japanischen Brücke.
Zwischen diesen beiden Bildern liegt ein Zeitunterschied von 40 Jahren. Das eine hat Monet in der Mitte seines Lebens gemalt und das andere mit den Augen eines alten Mannes. Das erste kontrastreich und scharf, das andere weich und verschwommen. Trotzdem sind beide Bilder schön und harmonisch. Eines wird dadurch deutlich: Montet folgte immer dem Grundsatz "Zeichne was Du siehst".

So what? Viele Airbrusharbeiten wirken grafisch und unrealistisch, obwohl der Zeichner eigentlich ein perfektes Ergebnis abgeliefert hat. Warum? Das menschliche Auge kann sich nur auf einen Punkt konzentrieren, der Rest wird mit zunehmender Entfernung unscharf. Will man also ein entferntes Objekt darstellen, muß man es möglichst unscharf zeichnen. Aber gerade das Erzeugen von Unschärfe ist ganz offensichtlich das größte Problem in der Airbrushmalerei.

Kantenschärfe, aber wie?

Das "Allheilmittel" der Airbrushmalerei ist scheinbar die Maskierfolie. Diese wird auf den Untergrund aufgeklebt und mit einem Skalpell geschnitten. Ein solches Objekt hat gestochen scharfe, fotorealistische Kanten. Doch ein Bild besteht eben nicht ausschließlich aus Vordergrund. Für die Darstellung entfernter Objekte muß man zwingend(!) eine andere Schablonierung verwenden, auch wenn diese aufwendiger ist.

PapierschabloneDas billigste sind Schablonen aus Papier oder Karton. Die Kantenschärfe ist deutlich geringer als bei Maskierfolie. Damit die Folien auf dem Untergrund nicht verrutschen, schneidet man mit dem Skalpell Fenster in die Maske und klebt ein Stück Maskierfolie darüber. Will man einen weichen Farbübergang erreichen, kann man die Kante mit einfachem Klebeband etwas anheben. Papiermasken lassen sich schlechter schneiden als Maskierfolie, sie verrutschen leicht und wenn man nicht aufpaßt, hebt der Luftzug die Maske an und man sprüht darunter.

Stenculburner, Pellon, PE-FolieEine weitere Möglichkeit, weiche Kanten zu erzeugen ist das Schabloniermaterial Pellon, das aus den USA kommt. Pellon ist ein ca. 1 mm starker Gewebeflies, der mit einem Stencil-Burner, einer Art Minilötkolben geschnitten wird. Dieser Brenner eignet sich auch für das Schneiden dicker PE-Folien, wie sie im Maler- und Lackiererhandwerk eingesetzt werden.
Pellon ist ein klein wenig saugfähig, so daß die Kapillarität an den Kanten keine Farbe unter die Schablone saugen kann. Pellon fühlt sich warm an, deshalb verwendet man es auch gern als Schabloniermaterial für Bodypaintings. Ein Bogen Pellon 30*40cm kostet etwa €1,-.

Französische KurvenNoch geringere Kantenschärfen erreicht man mit französischen Kurven. Diese werden zusammen mit der Spraygun freihand geführt. Dabei entsteht ein leichter Overspray, der aber erwünscht ist.Radieren Man erzeugt dadurch realistischere Farbübergänge. Eine Grundregel der realistischen Malerei ist: "Jedes Objekt wirft sein Licht auf ein anderes" Das Violett des Hintergrundes ist bereits im Hautton des Mädchens enthalten.

Ganz weiche Farbübergänge erreicht man freihand. Die gewünschte Kantenschärfe bekommt man durch Radieren. Ich verwende dafür ganz gewöhnliche Radiergummis aus dem Bürobedarf oder Radierstifte, die ähnlich wie Bleistifte angespitzt werden können. Da ich weiche Kanten bevorzuge, entstehen meine Bilder maßgeblich durch Radieren. Eigentlich müßten sie "Radierungen" heißen, aber das ist bekanntlich eine ganz andere Sparte der Malerei.

Links:

webpages.marshall.edu/~smith82/monet.html